Goldene Hochzeit

Es muss an meinem Alter liegen, dass sich die Einladungen zur Goldenen Hochzeit gerade häufen. Auf eine von ihnen freue ich mich ganz besonders, durfte ich doch mit einem Singkreis und mit Orgelmusik die Grüne Hochzeit umrahmen. Unlängst feierten in meiner Gemeinde gleich fünf Paare am Freitagabend gemeinsam ihre Goldene Hochzeit zusammen mit zwei Personen, denen der Partner bereits in die Ewigkeit vorausgegangen war. Sie wünschten sich aus diesem Anlass ein besonderes Liedprogramm, das hauptsächlich von gleichaltrigen Textern und Liedermachern stammte. Mit der Melodie „Unser Leben sei ein Fest“ (GL 715 Freiburg/Rottenburg) von Peter Janssens (1934−1998) swingte sich die Goldene Hochzeitsgesellschaft in den Gottesdienst ein. War ihr Leben immer „ein Fest“?

Beim Kyrie mit der ukrainischen Melodie und den schlichten Klängen von Heinz Martin Lonquich *1937 (GL 155) kam die von den Synkopen aufgewühlte Gemeinde wieder zur Ruhe. Zum „Halleluja“ mit der Melodie von Fintan O’Caroll 1981 und Christopher Walker 1985 (GL 175,6) konnten dann alle von Herzenslust schunkeln. Nach der Segnung der Ringe wurde der Gesang etwas traditioneller. Da alle „Fest“-Teilnehmer sehr musikalisch waren, gelang der Kanon „Lobet und preiset“ unter Pfarrers Leitung auf Anhieb. Mit einem mehr ernsten Ton stimmte das nachfolgende Lied „Wir weihn der Erde Gaben“ (GL 187) mit dem Text vom Petronia Steiner 1943/1993 auf die Gabenbereitung ein.

Lass rein uns vor dir stehen,
von seinem Blut geweiht,
durch Kreuz und Not eingehen
in deine Herrlichkeit.

„Kreuz und Not“ in diesem Text ließen die anfängliche Vorstellung vom Leben als ein Fest doch nur als frommen Wunsch erscheinen. Fetzige Festfreude kam dann wieder auf bei „Heilig, heilig bist du“ von Klaus Lohrbächer (GL 744 Freiburg/Rottenburg). Köstlich, die Schluckaufsynkopen bei Ihm sei Lob und – Ehr erwiesen und Hosianna – dem Messias!

https://www.youtube.com/watch?v=uJcEiXI9b_g

Weil die Feier am ersten Freitag im Monat stattfand, wurde am Ende des Gottesdienstes des Herzens Jesu gedacht und der eucharistische Segen erteilt. Mit Rücksicht auf die evangelischen Paare wählte man zur Aussetzung des Allerheiligsten ein Lied aus der ökumenischen Liste. Zwei von acht Strophen aus „Gott ist gegenwärtig“ mit dem Text von Gerhard Tersteegen 1729 und der Melodie von Joachim Neander 1680 (GL 387 ö) waren genug, denn die Paare wollten ja nach der Messe noch weiterfeiern. Auch zum Schluss nahm man Rücksicht auf die evangelischen Mitchristen. Zum Gruß an Maria suchte man nicht irgendein Marienlied aus, sondern Marias eigenes Lied, das „Magnificat“, das auch Martin Luther sehr geschätzt hat. Ob ihm allerdings die Vertonung von Jacques Berthier (1923−1994), ein Gesang aus Taizé (GL 390), gefallen hätte, ist fraglich. Der lateinische Text aus Lukas 1,46 lautet Magníficat ánima mea Dóminum, wie es in 631,8 richtig zu lesen ist. Entweder kannte sich der Komponist mit der lateinischen Betonung nicht aus oder er ignorierte sie absichtlich. Wohl aus diesem Grund haben die Herausgeber die Akzente einfach weggelassen. Das Wort Magníficat tritt nie mit der richtigen Betonung auf, sondern immer nur als gnificat. Das nachfolgende Wort ánima ist zunächst mit der Betonung auf der zweiten Silbe vertont. Beim nächsten Auftreten wird zwar die erste Silbe richtig betont, aber durch die Melodieführung ist die letzte Silbe ungebührlich stark herausgehoben, sodass eine falsche Betonung entsteht: animá.

Nach Glückwunsch und Entlassgruß des Pfarrers entließ ich die Jubelpaare mit einem kurzen und schmerzlosen Dialogue von Jacques Boyvin (um 1653−1706) zu ihrem Festmahl.

Anton Stingl jun.

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