Osterschunkeln

Im Wonnemonat Mai trafen sich erneut der nun 78jährige AS und sein 26jähriges Alter Ego.

AS 26: Hattest du mit deinem letzten Beitrag zum Fall „Georg Thurmair“ Probleme?

AS 78: Ja, eine Mitarbeiterin des Gesangbucharchivs Mainz meinte, dass ich zwei Autorenkürzel aus dem Kommentarband „Die Lieder des Gotteslob“ verwechselt hätte.

AS 26: Und, hast du?

AS 78: Ja, auch ich werde offenbar älter. Den Fehler habe ich korrigiert und die Mitarbeiterin war froh, dass die Prügel, die eigentlich ihr galten, nicht mehr den Kollegen trafen.

AS 26: In diesem Beitrag hast du voller Stolz erwähnt, dass mein Lied Lob der Auferstehung im Kirchenlied II von 1967 direkt hinter dem Osterjubel von Georg Thurmair steht.

AS 78: Genau! Und wie bei unserem Silvestergespräch „Ein Haifisch im II. Modus“ über dein Lied Herr der Könige der Erde habe ich auch bei diesem Lied den Textquellen nachgespürt, die Albert Höfer seinem Text zugrunde gelegt hat.

  1. Singet dem Herrn, der das Dunkel des Todes bezwungen
    und gleich der Sonne durch nächtliche Nebel gedrungen:
    Rühmet die Pracht,
    die solchen Jubel entfacht,
    laut sei der Sieg nun besungen!
  • Singt dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Ross und Reiter warf er ins Meer. (Ex 15,21)
  • Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. (Mt 4,16)
  • Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke und löst sich auf wie ein Nebel, der von den Strahlen der Sonne verscheucht und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird. (Weis 2,4)
  1. Tag ohne Abend! Du Glanz, der die Finsternis blendet,
    Säule des Feuers, die Licht auf den Pfaden uns spendet:
    Herr, dir sei Lob,
    der sich vom Grabe erhob
    und alles Grauen beendet!
  • Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit aufstrahlt die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. (2 Kor 4,6)
  • Durch eine Wolkensäule hast du sie bei Tag geleitet und durch eine Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erhellen, den sie gehen sollten. (Neh 9,1)
  • Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade. (Ps 119,105)
  • Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels, vom Anfang bis ans Ende der Zeiten. Und das ganze Volk rief: Amen, und: Lob sei dem HERRN. (1 Chr 16,36)
  1. Herr, wie die Frauen einst wollen dein Grab wir besingen,
    wollen am Morgen schon Duftwerk des Lobes dir bringen.
    Wo ist das Leid?
    Du ließest Quellen der Freud
    in unsrer Wüste entspringen.
  • Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. (Lk 24,1)
  • Auf den kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen und Quellen inmitten der Täler. Ich mache die Wüste zum Wasserteich und das ausgetrocknete Land zu sprudelnden Wassern. (Jes 41,18)
  1. Lamm, das unschuldig für uns in den Tod ward gegeben,
    dein teures Blut bracht uns allen das ewige Leben:
    Siehe mit dir
    sterben und leben auch wir,
    lass uns dich rühmend erheben!
  • Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! (Joh 1,29)
  • Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. (Joh 6,54)
  • Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. (Röm 14,8)
  1. Wie hast du, Christus, dein Volk durch das Wasser gerettet
    hast in den Fluten die Mächte des Bösen getötet!
    Schaffe uns neu
    mach die Gefangenen frei,
    die noch der Teufel gerettet!
  • Denn als die Rosse des Pharao mit ihren Wagen und ihren Reitern ins Meer zogen, ließ der HERR das Wasser des Meeres auf sie zurückfluten, nachdem die Israeliten auf trockenem Boden mitten durchs Meer gezogen waren. (Ex 15,19)
  • Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. (Ps 51,12)
  • Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./ Denn der HERR hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, um den Armen frohe Botschaft zu bringen, um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, um den Gefangenen Freilassung auszurufen und den Gefesselten Befreiung. (Jes 61,1; vgl. Lk 4,18)
  • wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. (Apg 10,38)

AS 26: Das ist ja richtig beeindruckend, wie Höfer seine Worte fast ganz aus dem Schatz der Bibel schöpft, angefangen mit dem Buch Exodus bis zur Apostelgeschichte.

AS 78: Ja, aber nach 50 Jahren wirkt doch manches in der Sprache veraltet: Singet, rühmet, besungen, erhob, Grab besingen, Duftwerk, bracht, rühmend, schaffe. Und dann noch die unsauberen Reime: Leid – Freud, gerettet – getötet, neu – frei.

AS 26: Egal, damals sprang mir besonders die „bibelfreie“ zweite Hälfte der ersten Strophe ins Auge, die ich als „Aufforderung zum Tanz“ verstand und mich auf die Idee brachte, „die Pracht, die den Jubel entfacht“, mit einer Melodie im 6/8-Takt verwirklichen, wie sie als Gigue die barocken Tanzsuite schließt.

AS 78: Na ja, mich erinnert das eher an Osterschunkeln.

AS 26: Auch Albert Höfer konnte sich so etwas nicht vorstellen. Er hatte den Text auf die Melodie von Lobe den Herren gedichtet.

AS 78: Dann lass uns mal die Tonart betrachten. Der erste Teil deiner Melodie bleibt tonartlich noch etwas unentschieden. Erst im zweiten Teil legt sich der melodische Verlauf mit dem angesprungenen c´ zu Beginn der zweiten Zeile und dem Schlusston auf die Tonart C dur fest.

Da ertönt plötzlich aus der Höhe die Stimme des Vaters von AS:

Mein Sohn, erinnerst du dich noch? Mir hat die Melodie damals so gut gefallen, dass ich für meinen Kirchenchor einen vierstimmigen Chorsatz schrieb.

AS 78: Und mir hat dein Satz so imponiert, dass ich ihn auf deine Webseite gestellt habe. Nebenbei bemerkt: Das „Lob der Auferstehung“ von 1966 wäre im Gotteslob 2013 unter den „echten” Osterliedern dasjenige mit der jüngsten Melodie gewesen. Die vorhandenen Melodien sind mindestens 100 Jahre älter, z.B. „Bleibe bei uns“ (325) von 1861, „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ (336) von 1859 und „Freu dich, erlöste Christenheit“ (337) von 1838. An Ostern, wo wir das älteste Kirchenlied „Christ ist erstanden“ von 1120 singen, sind eben nur alte Melodien gefragt. Es gilt weiterhin: Halleluja lasst uns brüllen! [Auf einem Orgelvertretungsplan zum 5. Sonntag nach Ostern]

Anton Stingl jun.