666 Marianische Antiphonen

Waren sich die Herausgeber des Gotteslob 2013 über die Bedeutung der Zahl 666 im Klaren, als sie den Marianischen Antiphonen, die am Ende der Tagzeitenliturgie stehen, die Nummer 666 zuordneten? In der Geheimen Offenbarung des Johannes (15,18) wird die Zahl 666 als Zahl des Tieres oder als Zahl des Antichristen bezeichnet. Vielleicht hat die Kommission jedoch diesen Einwand abgetan im Blick auf jenes Bild von Maria, das in der zweiten Strophe des Marienliedes „Die Schönste von allen“ aus Louis Pinck, „Verklingende Weisen“ (1928) folgendermaßen beschrieben wird: „Ein sehr starke Heldin, mit englischem Schritt der höllischen Schlange den Kopf sie zertritt.“ Das schlichte Vertrauen hat jedoch leider nichts genützt, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

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Kirchzarten, Ortsteil Zarten, St. Johanneskapelle, Maria zertritt die Schlange (Detail) © Bernd Ebbmeyer (7.2.2008)

Es ist zwar sehr löblich, dass außer „Regina caeli“ und „Salve Regina“ auch die beiden anderen Marianischen Antiphonen „Alma Redemptoris Mater“ und „Ave Regina caelorum“ in das Gotteslob aufgenommen wurden. Aber offenbar war nicht mehr genügend „Platz in der Herberge“. Denn zum einen herrscht auf der Seite 858 ein so dichtes Gedränge, dass die deutsche Übersetzung des lateinischen Textes schier keinen Platz mehr findet und der Abstand der letzten Zeile zum unteren Seitenrand deutlich zu klein wird. Zum anderen muss man auf der Seite 859 nach einer Zeile „Salve Regina“ bereits umblättern, was der Notensetzer für diejenigen, die das möglicherweise verschlafen, mit einem Pfeil deutlich markiert hat. Besonders lästig aber ist diese Vorgehensweise für den begleitenden Organisten, der nicht unbedingt mit zwei Büchern hantieren will; er sollte möglichst beide Hände zum Spielen benützen dürfen und nicht noch mit einer Hand umblättern müssen.

Die Lösung des Problems ist relativ einfach, denn auf der Seite 862 ist noch genügend Platz vorhanden, um das Nachtgebet (667) etwas zu verschieben und dadurch Platz für die Marianischen Antiphonen zu gewinnen. Oder hat hier jemand eisern darauf bestanden, dass das Nachtgebet am Kopf der Seite beginnt?

Ein weiterer Mangel, der bei allen lateinischen Gesängen im Gotteslob auftritt, ist die Position der zugehörigen deutschen Übersetzung. In ihrer linksbündigen Stellung wirkt sie etwas lieblos und wenig durchdacht. Man sehe sich z.B. auf Seite 860 die achte Zeile an. Der lateinische Text O clemens befindet sich am Ende der Zeile, seine Übersetzung O gütige aber ganz am Anfang der Zeile. Bereits im „Schott“, der mir in einer Auflage von 1948 vorliegt, ist bei den Gesängen die Übersetzung entsprechend dem lateinischen Text in einzelnen Abschnitten zentriert abgedruckt. Auch wenn es sich nicht an allen Stellen um eine Wort-für-Wort-Übersetzung handelt, ist diese Methode für das Verständnis des lateinischen Textes äußerst sinnvoll. Sie ist der Ehrfurcht vor den alten Gesängen angemessener und verleiht auch einen ästhetischeren Anblick.

Doch weil ich hier nicht nur meckern will, habe ich die Seiten 858 bis 862 gleich im obigen Sinne verändert. So könnten die Seiten in eine Neuauflage aussehen. Doch Vorsicht, die Seitenzahlen des Vorabdrucks, der wiedergegeben ist, differieren zu den Seitenzahlen der späteren Diözesanausgaben um 4!

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Der Layouter müsste auf den Seiten 854-855 noch die Zeilenabstände ausgleichen. Ich wollte ihm aber nicht alle Arbeit abnehmen.

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Anton Stingl jun.