Irisches Halleluja (GL 175,6)

Was fällt Ihnen beim Stichwort ‚irisch‘ ein? Im Internet fand ich Irish Beef Stew, Irish blessings, Irish Coffee, Irish Moos und Irish Music. Zum Begriff Irish Alleluia gab es nur wenige Einträge. Mehr Treffer erzielte ich mit dem Alias-Namen Celtic Alleluia.

1756

Vor zwei Wochen erzählte Dominik Frey in der Sendung „Lied zum Sonntag“ des SWR2 die rührende Geschichte von der Wiederentdeckung des Komponistennamens.

„Der englische Kirchenmusiker Christopher Walker hat in den frühen 80er Jahren diesen Halleluja-Ruf in Nordengland aufgeschnappt. Niemand konnte ihm sagen, woher er stammt. Walker war so fasziniert von der Einfachheit und Fröhlichkeit der Melodie, dass er sie auf einen Zettel notiert und mit heim nach Bristol genommen hat. Dort hat er das Stück arrangiert und oft im Gottesdienst gespielt. Ein paar Jahre später hat ein irischer Freund von Walker das Stück erkannt und konnte ihm sagen, dass es der irische Musiker Fintan O´Carroll komponiert hat. Fintan O´Carroll war aber bereits 1981 gestorben und hat gar nicht mehr erlebt, wie sich sein irisches Halleluja über die ganze Welt verbreitet hat.“

In seiner Sendung erzählte Frey außerdem die Anekdote vom „Müncher im Himmel“, der mit seinem mürrischen „Luja!“ den Sinn des Hallelujas nicht erfasst. Auf dem gleichen Niveau ging es weiter mit einem Gedanken von Joseph Ratzinger, der das Halleluja mit dem Jodeln verglichen hat.

An dieser Stelle sollte man einen Moment innehalten und überlegen, welche Aufgabe das Halleluja in der Messe eigentlich hat.

„Im ‚Halleluja‘ (Preiset Gott!) grüßt die Gemeinde den Herrn, der im Evangelium (Frohe Botschaft) zu ihr spricht.“ (GL 584,7)

Vom Schunkeln wie im Halleluja (GL 175,6) und vom Jodeln wie bei Ratzinger  ist hier nicht die Rede. Es dürfte auch schwierig sein, zur Halleluja-Melodie eine passende Vertonung des Evangeliumsverses  zu finden. Wenn man es im Stil des Halleluja-Rufs versucht, wirkt der Vers womöglich lächerlich. Wenn man sich aber auf den im Gotteslob angegeben VIII. Psalmton bezieht, wird Feuer mit Wasser verbunden; man spürt sofort die Notlösung. Dieses Halleluja gehört einfach nicht an diese Stelle, sondern z.B. in die Nähe des vermeintlichen „Taizé-Hallelujas“ (GL 483). Dann hätte man auch Platz gehabt für zwei schmerzlich vermisste Halleluja-Rufe im II. und IV. Modus.

Diese Zeilen schreibe ich am Sonntag vor Aschermittwoch, dem Sonntag, an dem man im Mittelalter den „Abschied vom Halleluja“ feierte. Die Halleluja-Freude musste weichen; das Halleluja wurde „abgestellt, geschlossen, ausgepeitscht, aufgehängt, entlassen, verbrannt, beerdigt“, wie es in den verschiedenen Ritualien heißt. Der Brauch der « depositio alleluiæ » (Absetzung des Hallelujas) geht auf eine Anordnung Papst Gregors d. Gr. (um 590–604) zurück. In den Responsorien (Antwortgesängen) des nächtlichen Stundengebets tritt eine naiv fromme, gemütvolle Personifikation des Hallelujas zu Tage. Man scheidet vom Halleluja, wie Durandus bemerkt, wie von einem „lieben Freund, den wir vor Antritt einer langen Reise oftmals umarmen und auf Mund und Stirn und Hand küssen“. Kurz vor dem Ende der Feier wird der Hymnus « Alleluia dulce carmen » (Halleluja, süßes Lied) gesungen, der mindestens dem 10. Jahrhundert entstammt. In einer englischen Übersetzung und mit einer Tantum-ergo-Melodie versehen wird er heute noch im angelsächsischen Raum viel gesungen. Eine Recherche bei Google ergab für diesen Hymnus immerhin 27.400 Ergebnisse.

Alleluia, dulce carmen, vox perennis gaudii,
Halleluja, süßes Lied, Stimme der ewigen Freude,
Alleluia laus suavis est choris cælestibus,
Halleluja ist das liebliche Lob der himmlischen Chöre,
quod canunt Dei manentes in domo per sæcula.
welches sie im Hause Gottes immerdar singen.

Alleluia laeta mater concinis Ierusalem,
Halleluja singst du, freudige Mutter Jerusalem,
Alleluia vox tuorum civium gaudentium,
Halleluja ist die Stimme deiner freudigen Bürger,
exsules nos flere cogunt Babylonis flumina.
wir Verbannte sind gezwungen zu weinen an den Flüssen Babylons.

Alleluia non meremur nunc perenne psallere,
Das Halleluja ewig zu singen verdienen wir  jetzt nicht,
Alleluia nos reatus cogit intermittere;
das Halleluja zu unterbrechen zwingt uns die Schuld;
tempus instat, quo peracta lugeamus crimina.
die Zeit steht bevor, in der wir unsere begangenen Sünden betrauern.

Unde laudando precamur te, beata Trinitas,
Daher lasst uns mit Lob dich bitten, heilige Dreieinigkeit.
ut tuum nobis videre Pascha des in æthere,
gib uns, dass wir dein Ostern im Himmel schauen,
quo tibi læti canamus Alleluia perpetim. Amen.
wo wir dir fröhlich das Halleluja ununterbrochen singen. Amen

Anton Stingl jun.