Martin Gotthard Schneider (1930−2017)

Am letzten Freitag wurde Martin Gotthard Schneider auf dem Bergäcker-Friedhof in Freiburg zu Grabe getragen. ‚Aha‘, wird  manch einer bei dieser Nachricht  pietätlos sagen, der „Danke-Schneider“. Ja, das ist er, der mit diesem Lied einen großen Hit gelandet hat. Dank der Einspielung durch den Botho-Lucas-Chor landete das Lied auf dem ersten Platz der deutschen Hitparade. Die Platte mit dem Titel „Danke“ ist seit langem in meinem Besitz. Über dieses Lied habe ich bereits im vergangenen Jahr ausführlich  in meinem Beitrag „Danke“  geschrieben.

Botho-Lucas-Chor „Danke“

Den Schluss der Platte bildet „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“, ein weiteres Lied von M. G. Schneider, das im zweiten Tutzinger Preisauschreiben preisgekrönt wurde. Wenn Johannes Adam von diesen beiden Liedern in der Badischen Zeitung vom 6. Februar behauptet: „Sie stehen im Evangelischen Gesangbuch“, so trifft diese Aussage nur bedingt zu und weist gleichzeitig auf die Kontroverse hin, die M. G. Schneider mit seinen Liedern auslöste. Nur „Danke“ (334) und  „Der Gottesdienst soll fröhlich sein“ (169) stehen  im Stammteil des EG. Das „Schiff“ und weitere Lieder von ihm haben es „nur“ in die Regionalteile des EG geschafft. Seine bewusst einfach gehaltenen Lieder standen im Gegensatz zur überkommenen evangelischen Kirchenmusik, die M. G. Schneider als Kantor in höchster Qualität pflegte. Wenn bei den Konzerten der Heinrich-Schütz-Kantorei, die er 1961 gegründet hatte, Defizite bei den Konzerteinnahmen entstanden, konnte er sie durch Erlöse aus seinem Welt-Hit „Danke“ ausgleichen.

Das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ war Bestandteil des Kindergottesdienstes beim Katholikentag 1978 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Freiburg, bei dem eine unheimlich dichte Atmosphäre herrschte. Kein Stück vom Kirchenboden war mehr zu sehen, überall saßen Kinder. Und mittendrin der Kinderchor und die Instrumentalgruppe, die ich als Kirchenmusiker der Gemeinde zu leiten hatte. Selten hat mich ein Gottesdienst so ergriffen.

Ein Werk von M. G. Schneider hat es mir besonders angetan: Die Weihnachtskantate „Herr, wir brauchen den Hirten“ nach Texten von Barbara Cratzius für Solostimmen, Sprecher, Kinderchor und Instrumente. Mit dem Unterstufenchor des Theodor-Heuss-Gymnasiums Freiburg habe ich 1986 die Kantate zum ersten Mal aufgeführt. Leider existiert von der begeisternden Aufführung keine Tonaufnahme. Der Mitschnitt von  der Wiederholung 1993 mit dem Unterstufenchor des Droste-Hülshoff-Gymnasiums Freiburg ist aus verschiedenen Gründen nicht zu gebrauchen. Aber wozu gibt es Youtube?

Martin Gotthard Schneider, Weihnachtskantate

Wer die 30 Minuten bis zum Ende ausgehalten hat, kann auch noch das Schlusslied mitsingen:

weihnachtskantate

Inzwischen hat die musikalische Entwicklung M. G. Schneider wie auch viele andere Komponisten – rechts oder links – überholt. Aber die Diskussion ist dieselbe geblieben: Was darf in der Kirche gesungen werden? Als Luther seinen Spruch formulierte, dass man dem Teufel nicht die schönen Melodien überlassen dürfe, war die Musik noch nicht in U- und E-Musik eingeteilt wie heute. Aber wozu gibt es einen ‚kukikblog‘?

Anton Stingl. jun.