Wie ein Fanfarenstoß?

In der Osterausgabe des Konradsblatts, einer Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg vom 12.04.2020 schrieb Meinrad Walter einen umfangreichen und sehr informativen Beitrag über das Lied Christ ist erstanden. Unter anderem wies  er auf die Ostersequenz Victimae paschali laudes hin als Vorbild für das Lied, das im bayerisch-österreichischen Raum entstanden ist und zwischen die Zeilen der Sequenz eingeschoben wurde.

Christ ist erstanden (Gotteslob 318)

Doch, haben wirklich viele die ersten Töne der Melodie als „Fanfarenstoß“ im Ohr? Zunächst weist dieses Wort tatsächlich in die Vergangenheit, wo es aber stets mit Fackeln, Schlachtfeldern und Blechbläsern verbunden war und –  musikalisch gesprochen – mit einem größeren Intervall ausgestattet als mit einer kleinen Terz. Die anschließende abwärtsführende Quarte ist höchstens ein Feigenblatt. Vielleicht könnte man den Anfang des folgenden Alleluia als Fanfare bezeichnen.

Alleluia aus dem Antiphonale Monasticum (S. 90)

Der „Fanfarenstoß“ ist in Wahrheit eine im I. Modus (= dorisch) gängige Formel, um die Betonung einer Silbe zu verdeutlichen.

Die drei Beispiele aus Introiten im I. Modus – Dominus secus mare, Factus es Dominus und Statuit ei – zeigen ganz deutlich, dass Christ ist erstanden noch ganz in der Tradition der dorischen Kirchentonart steht. Bei der Sequenz Victimae paschali laudes (Gotteslob 320) ist man da nicht so sicher. Beim dritten und sechsten Vers Mors et vita duello und Scimus Christum surrexisse wird die Formel richtig angewandt. Beim zweiten Vers Agnus redemit oves aber und bei dem zum sechsten Vers melodiegleichen, mit seinem judenfeindlichen Text seit 1570 gestrichenen Vers Credéndum es magis soli/Mariae veraci/quem Iudaeorum/turbae fallaci – Man sollte vielmehr allein Maria, der wahrhaftigen, glauben, und nicht der lügnerischen Bande der Juden – passt der Rhythmus nicht zur Betonungsformel.

Zum Schluss sei noch etwas zur Geschichte von Christ ist erstanden nachgetragen. Nachdem Martin Luther im Klugschen und Babstschen Gesangbuch (1533/1545) das Lied mit der Textänderung in der 2. Strophe – so lobn wir den Vater Iesu Christ – veröffentlicht hatte, gab der Domdechant von Bautzen Johann Leisentritt in seinem Gesangbuch von 1567  eine „katholische“ Version heraus, in der alle „Kyrioleis“ durch „Alleluja“ ersetzt wurden. In der dritten Strophe wählte Leisentritt wie Klug und Babst für die Melodie des ersten Hallelujas eine b-Version, die zusammen mit den beiden anderen einen perfekten Melodiebogen bildet.

Anton Stingl jun.