Seliger aus unsrer Mitte (Anhang Freiburg/Rottenburg 910)

Seliger aus unsrer Mitte

Vorhandenen Liedmelodien neue Texte zu unterlegen, also neue Adaptationen zu schaffen, ist ein schwieriges Unterfangen, bei dem so manche Fallstricke lauern. Ist doch die Vorlage für das neue Lied für Bernhard von Baden eine „Altlast“ aus dem früheren Gesangbuch Magnificat von 1929, das ohne Melodie in der Auflage von 1960 wieder abgedruckt wurde. Zum Glück konnte ein erneuter Abdruck des Liedes im Beiheft zum Gotteslob 1985 verhindert werden. Denn eine Formulierung wie „Großer Führer“ ist seit dem Dritten Reich nicht mehr sangbar. Leider hat der neue Textdichter Harald Volz die drei Strophen des Originals zu fünf Strophen aufgebläht, indem er vier Zeilen, also die Hälfte einer Strophe, für alle fünf Strophen verwendet. Man darf also die Dreiklangsumkehrungen des dritten, siebten und dreizehnten Taktes und die Schlusswendung insgesamt fünfmal genießen. Es ist leider keine gute Idee, „Seliger“ mit „Heiliger“ zu tauschen (Meinrad Walter), denn in beiden Fällen liegt eine unbetonte Endsilbe unter einer betonten Note. Das passiert in der ersten Strophe noch einmal bei verteidi-gen. Die Formulierung „sei gegrüßt“ im Einleitungsteil ist eigentlich dem Gruß des Engels an Maria vorbehalten und wirkt deshalb hier befremdlich. Der Kreuzreim der Einleitung wird im zweiten Teil der Strophe leider aufgeben, obwohl die Melodie entsprechend gebaut ist. Der selbst auferlegte Zwang, in der letzten Zeile die ersten drei Silben beizubehalten, führt in der dritten Strophe zu einer Wiederholung aus der dritten Strophe und in der vierten und fünften Strophe zu missverständlichen Formulierungen.

Lob sei Gott (GL 901)

Der Auftragstext aus dem Diözesananhang Freiburg/Rottenburg des „Gotteslob 1975“ (Nr. 901) von Georg Thurmair, der mit vier Strophen auskam, entging leider auch nicht der Heiligen-Falle und verwendet ebenfalls unverständliche Formulierungen wie „Bernhard, der ans Kreuz geschlagen seinen Namen wie sein Herz“. Die Melodie von Berthold Hummel nimmt auch dreimal ihre Zuflucht zu Grunddreiklängen. Weder die Gemeinschaftsarbeit von 1960 noch die Mischung 1920/2010 führen zu einem guten Ergebnis. Wie wäre es mit einem Lied im Stile von „O Bernardo, o principe Santo tu che fosti si puro e si buono ti ricordi di quelli che tanto hanno fede e amore per te…“ aus Moncalieri?

Anton Stingl jun.

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