Wunderschön prächtige

Johann Beichel gerät während der „Sonntagsandacht“ im Konradsblatt  (Nr. 19/2020) richtig in Begeisterung, wenn er das volkstümliche Marienlied „Wunderschön prächtige“ als „Hymne“, bezeichnet, die zu einem „Hit“ bei Maiandachten wurde.

Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg-Stuttgart 883

Das ist die Melodiefassung, wie sie im Eigenteil Freiburg/Rottenburg-Stuttgart (GL 883) abgedruckt ist. Auch in der Ausgabe von 1975 war sie so zu sehen (GL 892). Da Johann Beichel vermutlich der älteren Generation angehört, hat er noch die Melodie aus dem früheren Freiburger Gesangbuch Magnifikat von 1960 im Kopf, die mit damals fünf Strophen bereits in der Ausgabe von 1909 stand. Dort war sie in F dur notiert und, weil das ziemlich hoch ist, enthielt sie einen Hinweis für den Organisten, die Melodie in Es dur zu intonieren. In der Ausgabe von 1927 war nur der Text mit jetzt vier Strophen abgedruckt, vermutlich weil man annahm, dass jedermann (und jedefrau) die Melodie auswendig („by heart“) schmettern konnte. Diese vier Strophen wurden auch in das letzte Freiburger Gesangbuch übernommen, von deren Melodie nach Meinung Johann Beichels „eine große hymnische Kraft“ ausgeht. Da in seinem Artikel nicht genug Platz war für einen ausführlichen Melodievergleich, sei der hier nachgeholt. Die Melodien aus dem Eigenteil Freiburg-Rottenburg (FR n), Magnifikat (FR a), Eigenteil Bamberg (Ba), Eigenteil Österreich (A) werden in vier Notensystemen untereinander dargestellt. Die von FR n(eu) abweichenden Noten sind rot markiert.

Vergleich der Versionen Freiburg neu, Freiburg alt, Bamberg, Österreich

Wer hat die meisten Achtel? Wer hat recht mit seiner Version im Takt 15? Die Mehrheit mit der braven Tonleiter, die zum Oktavton führt, oder die aus „Segne du, Maria“ bekannte Dreiklangsumkehrung? Alle Versionen berufen sich auf ein Gesangbuch aus Einsiedeln 1773. Wer viele Achtel notiert, schwächt die Herkunftsangabe mit „nach“ Einsiedeln ab.

Es gibt bestimmt noch mehr Versionen, z.B. in den Gesangbüchern von Augsburg und Hildesheim. Wenn man dann noch die 321 Seiten der Dissertation von Christiane Schäfer über „Wunderschön prächtige“ liest, findet man sicher noch mehr. Denn in der vierten Strophe im Magnifikat von 1909 heißt es: „Du bist die Helferin, du bist die Retterin“.

Anton Stingl jun.

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